Jedes Jahr küren Naturschutzorganisationen und Verbände in Deutschland ihre „Jahreswesen" – von Vögeln über Pilze bis hin zu Fischen. Dahinter steckt mehr als eine nette Tradition: Die Auszeichnungen lenken den Blick auf Arten, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Drei von ihnen stellen wir heute hier vor.
Wildtier des Jahres: der Rothirsch
Mächtiges Geweih, imposantes Röhren in der Brunft – kaum ein Tier verkörpert wilde Natur so eindrucksvoll wie der Rothirsch (Cervus elaphus). Dennoch steckt Deutschlands bekanntestes Großwild in der Klemme. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat ihn deshalb zum Wildtier des Jahres 2026 ernannt. Obwohl er eigentlich Wiesen und Offenlandschaften bevorzugt, weicht er dem Druck durch Jagd und menschliche Störung immer öfter in den Wald aus.
Dort gestaltet er seinen Lebensraum aktiv mit: Wo Rothirsche äsen und wühlen, entstehen Lichtungen, die Sonnenlicht bis auf den Boden lassen – zum Vorteil zahlreicher Insekten und Wildkräuter. Auf ihren teils weiten Wanderungen tragen sie außerdem Samen über große Entfernungen und fördern so die Artenvielfalt. Doch Straßen, Bahnstrecken und regional strenge Abschussregelungen zerschneiden ihre Wanderkorridore. Die zunehmende Isolation einzelner Populationen verringert inzwischen die genetische Vielfalt – mit langfristigen Folgen für den Fortbestand der Art.
Fisch des Jahres: der Europäische Wels
Mit bis zu drei Metern Länge und 150 Kilogramm Gewicht ist der Europäische Wels (Silurus glanis) der größte einheimische Süßwasserfisch. Der Deutsche Angelfischerverband, das Bundesamt für Naturschutz und die Gesellschaft für Ichthyologie haben ihn zum Fisch des Jahres 2026 gewählt.
In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, dem Donau- und Rheinsystem, übernimmt er wichtige Aufgaben: Er hält Fischbestände in Balance und sorgt als Aasfresser für sauberes Wasser. Durch Besatzmaßnahmen hat er sich mittlerweile weit darüber hinaus verbreitet. Wo er ursprünglich nicht heimisch ist, kann er das Gefüge einheimischer Lebensgemeinschaften empfindlich stören. Steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel begünstigen ihn zusätzlich. Die Initiatoren wollen mit der Wahl zum Fisch des Jahres auf die Bedeutung artenreicher und intakter Gewässerökosysteme hinweisen.
Fledermaus des Jahres: der Kleine Abendsegler
Kaum so bekannt wie seine größere Verwandte, der Große Abendsegler, aber nicht weniger bemerkenswert: Der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri) ist Europas Fledermaus des Jahres 2026/2027 – gekürt vom Dachverband BatLife Europe.
Trotz seiner geringen Größe, er wiegt gerade einmal zwischen 13 und 20 Gramm, legt er im Herbst Wanderungen von mehr als 1.000 Kilometern zurück. Seinen Schlafplatz findet er fast ausschließlich in Höhlungen alter Bäume, weshalb strukturreiche, naturnahe Wälder für ihn unverzichtbar sind. In Schleswig-Holstein steht er bereits auf der Roten Liste, und auch bundesweit ist die Bestandssituation noch zu wenig erforscht, um Entwarnung zu geben.
Foto: Pixabay/Georg_Wietschorke



