Rekordhitze, Verletzungen und Geschwisterkonkurrenz: Es war ein aufregendes Storchenjahr in Berlin-Malchow. Ende März hatte ein Storch das Nest auf dem Schornstein besetzt, es ausgebessert und die Gegend erkundet. Drei Wochen später gesellte sich eine Störchin dazu.
Mitte Mai war dann zum ersten Mal der diesjährige Nachwuchs zu erspähen. Zwei Storchenküken rangelten um die von den Eltern herbeigebrachte Nahrung. Diese sorgten zudem für Schatten und Kühlung im heißen Juni, in dem auch die Beringung der Jungvögel stattfand. Doch das Familienleben wurde kurz darauf unerwartet unterbrochen.
Am 5. Juli, einem Sonntag, entdeckte zunächst ein aufmerksamer Passant einen der Altvögel mit hängendem Flügel auf den Malchower Wiesen. Am nächsten Tag riefen Bauarbeiter die Polizei, weil sie den Storch auf der Baustelle an der B2 gesichtet hatten. Die Polizisten brachten das Tier zunächst zu uns auf den Naturhof Malchow, fuhren ihn aber dann ins Tierklinikum der Freien Universität in Düppel. Die beruhigende Diagnose von dort: Es war nichts gebrochen, nur ein Bluterguss.
Doch der gesunde Storch war bei der Fütterung der Jungvögel von nun an auf sich allein gestellt. Nach gut einer Woche konnten wir den verletzten Storch zwar wieder abholen, er verbrachte aber noch einige Tage in unserem Erlebnisgarten, bis er vollständig genesen war und wieder fliegen konnte.
Anfang August begannen die Jungstörche mit ihren ersten Flugübungen. Einer von ihnen konnte noch nicht richtig fliegen und landete dabei in Nachbars Garten. Dort wurde er von besorgten Mitmenschen eingefangen. Storchenexperten vom NABU Berlin rieten uns jedoch dazu, ihn nicht wieder ins Nest zurückzusetzen, weil der stärkere Jungstorch ihn immer wieder aus dem Nest drängen würde. So kam er schließlich auf den Storchenhof Loburg in Sachsen-Anhalt. Dort werden unter anderem verwaiste Jungvögel bis zu ihrem Erstflug ins Winterquartier gepflegt.
Ende gut, alles gut? Nachdem auch das verbliebene Paar aus Alt- und Jungstorch den Naturhof Malchow Ende August verlassen hatte, gehen wir davon aus, dass Eltern und Nachwuchs auf dem Weg Richtung Süden sind.


